Buchvorstellung: „Gesunde Ernährung für Hunde“ von Martin Bucksch

Exklusiv mit Leseprobe zum Thema Barfen!

Als ich mir heute Mittag mangels Lust und Zeit eine Tiefkühlpizza in den Ofen schob, beruhigte ich mein Gewissen damit, dass ich mich ja sonst größtenteils gesund ernähre und auf eine frische Zubereitung achte. Dabei ist es mir natürlich wichtig, zu wissen, welche Lebensmittel in meinem Essen landen und noch wichtiger, woher diese eigentlich stammen. Konservierungsstoffe möchte ich nämlich nicht ständig zu mir nehmen. Auch rein geschmacklich ist eine frisch zubereitete Mahlzeit definitiv einem Fertiggericht vorzuziehen. Vom hohen Anteil an Zucker und Geschmacksverstärkern bei Fertiggerichten will ich mal gar nicht erst anfangen.

Weil ich dann kurz darauf eine – zugegebener Maßen nicht ganz so frisch und appetitlich duftende – Dose Hundefutter öffnete, kam Timmy angewedelt und sah mich mit seinen dankbaren Hundeaugen an. Wieder einmal drang in mein Bewusstsein: Er kann nicht selber entscheiden, was er frisst. Er, mit seiner Gesundheit und seinem Wohlbefinden, ist davon abhängig, ob ich mir die Zeit nehme, mich mit seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Und genau das wollte ich jetzt tun.

Enormes Informationsangebot zum Thema Hundeernährung

Wie sich herausstellte, ist das eine große Herausforderung. Das Internet quillt nur so über vor „richtigen“ Fütterungsmethoden, die emotional diskutiert werden. Umso besser gefiel mir dann die Beschreibung des Buches „Gesunde Ernährung für Hunde“ von Tierarzt Dr. Martin Bucksch – und so habe ich es mir direkt bestellt.

Barfenhund Buchvorstellung: „Gesunde Ernährung für Hunde“ von Dr. Martin Bucksch
Bild & Quelle: „Gesunde Ernährung für Hunde“ | Dr. Martin Bucksch | KOSMOS Verlag

Der Autor: Tierarzt Dr. Martin Bucksch

Dr. Bucksch, so erfahre ich, ist seit 1992 Veterinärmediziner und beschäftigt sich seit 2009 intensiv mit der Ernährung von Kleintieren, wozu er in seiner Praxis auch Tierhalter berät.

Er selbst besitzt zwei Hunde, deren Futter er überwiegend eigenhändig zubereitet. Außerdem hat er erfolgreiche Sachbücher verfasst und engagiert sich unter anderem auch sozial. Zusammen mit dem Hamburger Franziskus-Tierheim und dem Deutschen Roten Kreuz treibt er ein Projekt voran, bei dem Hunde von Obdachlosen eine tiermedizinische Versorgung erhalten.

Gesunde Ernährung für Hunde: Veterinärmedizinischer Blick auf Hundeernährung

Dr. Bucksch diskutiert die Frage, ob man nun selber kochen, barfen oder auf Industriefutter zurückgreifen soll, völlig wissenschaftlich, indem er zunächst auf die Physiologie des Hundes (im Speziellen den Verdauungstrakt) eingeht. Dabei zieht er auch einen Vergleich zu Wolf und Mensch heran. Anschließend wird ein Überblick über die heutigen Fütterungsmöglichkeiten gegeben sowie die Vor- und Nachteile derselben betrachtet. Sogar auf den Energiebedarf des Hundes wird ausführlich eingegangen. Die Bedürfnisse von Hunden können sich in den unterschiedlichen Lebensphasen stark unterscheiden. Nicht zuletzt kommt es auch darauf, wann und wie oft man einen Hund füttert.

Eine naturnahe Ernährung ist der Schlüssel

Das Buch gibt insgesamt kaum Rezepte vor, sondern schafft ein Verständnis dafür, welche Art der Fütterung sinnvoll ist. Dabei spricht sich Dr. Bucksch tendenziell für die Rohfütterung von Hunden aus. Aus eigener Erfahrung berichtet er, dass gebarfte Hunde grundsätzlich gesunde, schlanke und aufmerksame Hunde mit schönem Fell sind. Begründet sieht er dies darin, dass die Rohfütterung der natürlichen Ernährung des Hundes am nächsten kommt und man nur so Kontrolle über die verfütterten Nahrungsmittel behalten kann. Die Inhaltsstoffe einer industriell gefertigten Hundenahrung sind doch oft eher unübersichtlich.

Auch über industrielles Hundefutter spricht Dr. Bucksch in seinem Buch "Gesunde Ernährung für Hunde"
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Zum Thema Industriefutter macht Dr. Bucksch noch darauf aufmerksam, dass zwar viele Hunde solches vertragen, aber die ausschließliche Fütterung prozessierter Nahrung (kommerzielles Fertigfutter) das Entstehen von Allergien begünstigen kann. Bei Hunden mit einer bereits vorhandenen Futtermittelallergie bringt eine Umstellung auf Roh- bzw. Frischfütterung in der Regel bessere Ergebnisse als industriell hergestellte „Ausschlussdiäten“.

Bei rohem Fleisch immer auf Hygiene achten

Der Autor gibt aber auch zu bedenken, dass rohes Fleisch immer auch die Gefahr von bakteriellen Infektionen oder Vergiftungen mit sich bringen kann. Diese Schädlinge schaden einem Hund selbst meist zwar gar nicht – sondern fördern im Gegenteil sogar das Immunsystem des Hundes und machen ihn noch widerstandsfähiger. Doch für immungeschwächte Menschen (beispielsweise AIDS-Patienten oder schwangere Frauen) kann es ein Problem werden, wenn Parasiten oder Bakterien vom symptomfreien Hund ausgeschieden werden und so zum Menschen gelangen.

Abgesehen davon und der Tatsache, dass eine Rohfütterung natürlich auch einige Kenntnisse hinsichtlich Rationierung und Zubereitung erfordert, spricht Dr. Bucksch sich aber grundsätzlich für das Barfen als eine sehr artgerechte und gesunde Fütterungsart aus.

Einen Daumen hoch für Dr. Martin Bucksch und „Gesunde Ernährung für Hunde“

Wer wissen möchte, wie er seinen Hund gesund und nach individuellen Bedürfnissen ausgerichtet ernähren kann, ohne eine riesige Wissenschaft daraus machen zu müssen, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Denn wenn die Ernährung grundsätzlich stimmt, darf es zwischendurch auch einmal etwas Schnelles, Leckeres oder herrlich Ungesundes sein – auch für unseren Hund!

Leseprobe aus „Gesunde Ernährung für Hunde“

Mit freundlicher Erlaubis des Autors und Verlags dürfen wir Euch, Barfenhund-Lesern, zusätzlich nun abschließend eine kleine, aber exklusive Leseprobe zur Verfügung stellen.


ROHFLEISCHFÜTTERUNG (BARFEN)

Eine zunehmende Anzahl unter den Befürwortern selbst zubereiteter Nahrung bevorzugt das Verfüttern ausschließlich roher Zutaten. Diese Ernährungsweise wird als B.A.R.F. bezeichnet, das umgangssprachlich mit „Biologisch artgerechte Rohkostfütterung“ übersetzt wird. Eigentlich kommt das Kürzel aus dem Englischen und steht für „bone and raw food“ (Knochen und rohe Nahrung).

DIE PHILOSOPHIE

Das Prinzip dieser Ernährungsphilosophie besteht in der ausschließlichen Verfütterung roher Zutaten (Fleisch, Fisch, Getreide, Obst, Gemüse, evtl. Milch- und Molkereiprodukte usw.). Auch Knochen werden mehr oder weniger zerkleinert roh gefüttert, teilweise werden rohe Futtertiere (Geflügel, Kaninchen, Fisch usw.) im Ganzen oder zerkleinert angeboten. Dabei wird davon ausgegangen, dass rohe Knochen (besonders Knochen junger Tiere) weniger gefährlich sind, da sie nicht zum Splittern neigen und somit den Verdauungstrakt nicht schädigen.

Rein ernährungsphysiologisch handelt es sich durchaus um eine gesunde Ernährung, die ja tatschlich der Ernährung des Hundes bzw. der seiner Vorfahren und Verwandten in freier Wildbahn zu einem großen Teil entspricht. Dennoch birgt das Barfen auch Risiken, die man nicht unterschätzen sollte.

Zu glauben, rohes Muskelfleisch, Obst und Gemüse sowie ein paar Spritzer Öl stellen bereits eine ausgewogene Barfration dar, ist ein weit verbreiteter und gefährlicher Irrglaube. Um in einer Ration mehr oder weniger die Zusammensetzung eines Beutetieres in seiner Gesamtheit nachzuahmen, bedarf es weit mehr als der oben genannten Zutaten, bei denen eine Vielzahl lebenswichtiger Nährstoffe teilweise beziehungsweise gänzlich fehlt!

Selbst eine ausgewogene Barfration bedarf neben einer Vielzahl verschiedener Zutaten am Ende oftmals noch der speziellen Ergänzung einiger weniger Vitamine und Spurenelemente. Zudem ernähren sich wild lebende Raubtiere u.a. von Insekten, Reptilien, Aas, teilweise Kot und seltener von Kürbis, Zucchini, grünem Salat etc. Aus diesem Grund lässt sich die vollständige Imitation der „natürlichen“ Ernährungsweise kaum oder nicht erreichen. Selbst das Füttern von ganzen Karkassen wäre bei ausschließlicher Verwendung immer einer Tierart nicht zu hundert Prozent „naturgetreu“.

VOR- UND NACHTEILE DER ROHFÜTTERUNG

Die Vorteile der Verfütterung roher Komponenten liegen zunächst einmal in der bestmöglichen Erhaltung der Nahrungseiweiße, die besonders durch langes Erhitzen denaturieren, sowie der Vitamine, die ebenfalls durch Lagerung, Verarbeitung (besonders durch Kochen) teilweise verloren gehen bzw. zerstört werden. Anders sieht es bei Getreide aus. Die enthaltene Stärke wird erst durch Hitzebehandlung für den Organismus verwertbarer bzw. verdaulicher gemacht.

Weitere Vorteile der Rohkostfütterung sind sicher eine optimale Akzeptanz seitens des Hundes durch eine hohe Schmackhaftigkeit sowie evtl. das Kauvergnügen am Knochen oder Ähnlichem.

Wie schon erwähnt, bietet die Fütterung selbst zubereiteter Rationen (roh oder auch gekocht) zudem heute fast die einzige Möglichkeit, die bestmögliche Kontrolle über die Art, Herkunft und Qualität der verwendeten Rohstoffe zu haben (Stichworte: Bioqualität und die sich daraus ergebenen Tierschutzkriterien, Nachhaltigkeit, Saisonalität, Regionalität, vegetarische Zutaten) und die Rationen individuell zusammenzustellen, wie es eine zunehmende Zahl der Hundehalter heute wünscht. Auch kann die Zusammensetzung mit tiermedizinischer Unterstützung ausgezeichnet an die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben eines Hundes angepasst werden (Geschmack, Futterunverträglichkeiten, -allergien, Übergewicht, Erkrankungen z. B. von Magen und Darm, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, der Haut usw., Laktation, Trächtigkeit, Aufzucht, Wachstum).

Nicht zuletzt stellen multiple Erkrankungen zwar eine Herausforderung dar (Beispiel Futtermittelallergie und Nierenerkrankung), die mithilfe fachkundiger Beratung jedoch gemeistert werden können.

Interessant: 10–30% aller an einer Futtermittelallergie leidenden Hunde sprechen im Sinne einer Besserung der Erkrankung und Symptomfreiheit nicht auf kommerzielle, also industriell hergestellte „Ausschlussdiäten“ (siehe S. 112) an, wohl aber auf selbst zubereitete Rationen. Zudem existieren Hunde, die keinerlei kommerzielles Futter, wohl aber selbst zubereitetes Futter „vertragen“. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es auch Hunde gibt, bei denen es anders herum ist und die mit industriell hergestellten Fertigfuttermitteln besser zurechtkommen als mit frisch zubereiteten Rationen. Wie eingangs erwähnt: Das beste und für jeden Hund geeignete Futter gibt es nicht!

Barfrationen zeichnen sich zudem in der Regel durch eine hohe Verdaulichkeit und somit optimale Verwertung aus. Diese kann bei guten Fertigfuttermitteln bei 80–85% liegen, selbst zubereitete Futterrationen erreichen meist mehr als 90%.

Gemäß der sogenannten Hygienetherorie (siehe Bucksch, Wenn Futter krank macht) neigen Individuen, die in einer „sterilen“, keimfreien Umgebung aufwachsen oder hauptsächlich prozessierte Nahrung (kommerzielles Fertigfutter) erhalten, eher dazu, Allergien zu entwickeln, da ihr körpereigenes Abwehrsystem vereinfacht ausgedrückt „arbeitslos“ ist und sich dementsprechend Beschäftigungsalternativen sucht, die darin gipfeln, dass es auf Stoffe in seiner Umgebung (allergisch) reagiert, auf die es ansonsten weder reagieren müsste noch würde. Frische oder gar rohe Nahrung hingegen liefert dem Immunsystem ausreichend „Beschäftigung“, was letztendlich zu seiner Schulung und Stärkung beiträgt. Gerade das darmeigene Immunsystem stellt den umfangreichsten Teil der körpereigenen Abwehr dar und ist somit in beide Richtungen empfänglich.

Selbst zubereitete Rationen können hier also einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit leisten. Laut einer 2007 veröffentlichten Studie zeigten Nachkommen von Hündinnen, die während der Laktation ausschließlich selbst und frisch zubereitete Futterrationen erhielten, um 50 % weniger Umweltallergien im Vergleich zu den Nachkommen derjenigen Hündinnen, die während der besagten Phase kommerzielles Fertigfutter erhielten (Noedtvet, Anne 2007).

Die Nachteile dieser Art der Ernährung liegen vor allem in der möglichen Aufnahme von Keimen und Parasiten über die Nahrung. Zwar wird stets argumentiert, dass die Magensäte (besonders der stark saure pH-Wert) des Hundes Keime abzutöten in der Lage seien (Hunde fressen in der Natur auch Aas). Dies ist, wie wir bereits gesehen haben, jedoch nur zum Teil korrekt und es besteht durchaus die Möglichkeit bakterieller Vergiftungen bzw. Erkrankungen. Ein diesbezüglich sehr wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit, dass (z. B. im Fall von Salmonellen) der Hund selbst keine klinischen Anzeichen einer Vergiftung bzw. Infektion zeigt, jedoch zum Träger und Ausscheider der entsprechenden Erreger wird. Dies bedeutet, der Hund ist selbst nicht krank, beherbergt aber Krankheitserreger in seinem Verdauungstrakt, die er sporadisch oder permanent mit dem Kot ausscheidet, also an seine Umgebung abgibt.

ÜBERTRAGUNG VON KRANKHEITEN

Zu den Krankheitserregern, die über den Hund zum Menschen gelangen und für diesen eine Gefahr darstellen können, zählen sowohl Parasiten (Rund- und Bandwürmer, besonders gefährlich für den Menschen ist der Fuchsbandwurm Echinococcus), Bakterien, Viren und einzellige Parasiten wie Toxoplasmen.

Besonders für immunsupprimierte Patienten (beispielsweise AIDS-Patienten, mit Chemotherapeutika behandelte Patienten) aber auch Kleinkinder, schwangere Frauen und ältere Menschen kann dies gefährlich sein. Lebt dieser Personenkreis im Haushalt, ist zumindest die Verfütterung rohen Fleisches und tierischer Nebenprodukte zu überdenken bzw. zu unterlassen. Gleiches gilt für Hunde, die beispielsweise in Krankenhäusern oder anderen entsprechenden Einrichtungen als Therapiehunde eingesetzt werden oder Zugang zu Lebensmittelbetrieben haben.

Anders verhält es sich mit Obst, Gemüse, Kräutern, Milchprodukten und Molkereiprodukten. Hier bestehen keine ernsthaften Risiken. Obst und Gemüse sollte lediglich gründlich gewaschen werden.

Welche Futtermittel nur gekocht verwendet werden dürfen, ist auf S. 90 beschrieben.

MEIN RAT

Ich persönlich finde die ausschließliche Rohfütterung aus einigen der hier genannten Gründe zumindest für die Hunde von Risikopersonen problematisch, auch wenn sie – Ausgewogenheit und sorgsame Berechnung der Rationen vorausgesetzt – aus ernährungsphysiologischer Sicht für viele Hunde  sicher die „naturnaheste“, hochwertigste und gesündeste Fütterungsmethode darstellt.

Aus meiner Praxiserfahrung kann ich zudem immer wieder bestätigen, dass gebarte Hunde (vorausgesetzt, einige Regeln wie Mineralstoffergänzung werden sorgsam eingehalten) grundsätzlich einen sehr gesunden, vitalen und aufmerksamen Eindruck machen, ein schöneres Fell haben sowie meist eine schlankere Figur. Auch wird berichtet, dass roh ernährte Hunde einen besseren Körpergeruch, weniger Mundgeruch und Zahnprobleme zeigen.

Die obige Leseprobe als PDF-Datei (zusätzlich eines Interviews mit Tierärztin und Ernährungsberaterin Dr. Danja Klüver) gibt es hier.

Wo gibt es das Buch zu kaufen?

Das Buch “Gesunde Ernährung für Hunde“, erschienen im KOSMOS Verlag, gibt es im gutsortierten Buchhandel sowie natürlich im Internet, z.B. auf Amazon.

Die beigefügte Leseprobe sowie das Cover stammen aus dem Buch „Gesunde Ernährung für Hunde“ von Dr. Martin Bucksch, mit freundlicher Genehmigung des KOSMOS Verlags.