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Getreide beim Barfen? Ein Kann, aber kein Muss

Unter Hundebesitzern, die barfen, gibt es ein großes Diskussionsthema. Sollte man getreidefrei barfen oder nicht?

In kommerziellem Hundefutter sind Getreideprodukte in hohem Maße enthalten. Hierbei werden sie jedoch oft als billige Füllstoffe missbraucht, so dass weniger vom (teureren) Fleischanteil benötigt wird. Im Folgenden wollen wir uns deswegen um die Frage kümmern, ob Getreide beim Barf ein „Muss“ oder nur ein „Kann“ ist.

Die Lebensmittelindustrie braucht Gluten: Der Hund auch?

Große Mengen an glutenhaltigem Getreide verschlechtern nachweislich den Gesundheitszustand. Es kommt zu einer verfrühten Alterung sowie Entwicklung von chronischen bzw. degenerativen Erkrankungen und Allergien.

Das primäre Problem liegt aber weniger am Getreide selbst. Vielmehr ist zum einen die maschinelle Ernte problematisch. Heutzutage lässt man dem Getreide keine Zeit mehr, im reifen Zustand selbständig aus der Ähre zu fallen. Zum anderen möchte die Lebensmittelindustrie einen bestimmten Standard haben, der auf den hohen Eiweißgehalt ausgerichtet ist. Der Eiweißgehalt funktioniert dabei wie Kleber und wird auch als Gluten bezeichnet. Die Klebeeigenschaft des Glutens macht die Verarbeitung in der Industrie (auch bei der Herstellung von Hundefutter) weitaus einfacher.

Eine Getreideähre: Gehört Getreide zum Barfen?
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Magen- und Darmbeschwerden durch die Moderne

Die meisten Hunde vertragen Gluten ohne Probleme. Bei Hunden mit einer Glutenallergie oder -unverträglichkeit (Zöliakie) kann es jedoch zu entzündlichen Darmproblemen kommen. Symptomatisch zeigt sich dies zumeist in chronischem Durchfall über Wochen und Monate hinweg. Aber auch Gewichtsverlust oder Wachstumsprobleme bei Welpen und Junghunden können auftreten.

Eine Glutenallergie oder -intoleranz kann nur durch ein Ausschlussverfahren diagnostiziert werden. Werden glutenhaltige Getreide weggelassen, sollte sich der Zustand nach ein paar Wochen deutlich bessern.

Es gibt einen weiteren Grund, warum viele Hundebesitzer Getreide ablehnen. Die Evolution von Wildhunden und Wölfen kennt im engeren Sinne keine Getreideaufnahme – und schon gar nicht im gekochten Zustand. Wird Beute gerissen und der Darminhalt gefressen, wird natürlich auch Getreide aufgenommen, das unreif und grün ist bzw. reife Samen. Dies ist jedoch mit den modernen Getreidearten, die verarbeitet und gekocht werden, nicht zu vergleichen.

Glutenhaltige Getreidesorten

Nicht alle glutenhaltigen Getreidearten müssen bei einem Hund zu Problemen führen. Hunde, die z.B. auf Weizen allergisch reagieren, können andere Getreidesorten mit Gluten gut vertragen. So enthält Dinkel auch weniger allergieauslösende Proteine als so manch andere Sorte.

Die wichtigsten bzw. bekanntesten glutenhaltigen Getreidearten sind:

  • Roggen
  • Weizen
  • Gerste
  • Dinkel
  • Grünkern
  • Emmer
  • Einkorn
  • Kamut
  • Triticale
  • Hafer (enthält zwar Gluten, aber die Aminosäuresequenz ist eine andere)

Glutenfreie Getreidesorten

Die meisten glutenfreien Getreidesorten lösen bei Hunden in der Regel keine Allergien aus. Es gibt jedoch Ausnahmen wie dies z.B. bei Kartoffeln und Reis passieren kann. Glutenfreies Getreide wirkt also nicht automatisch Wunder, da alle Lebensmittel zu Problemen führen können. Dennoch sind bei den glutenhaltigen Lebensmitteln Eiweiße enthalten, die bei manchen Hunden zu Problemen führen können, da die Weiterverarbeitung der Nahrung im Darm erschwert wird. Betroffene Hunde können somit von glutenfreiem Getreide profitieren.

Hier ist eine Auflistung der bedeutendsten glutenfreien Getreidesorten:

  • Amarant
  • Buchweizen
  • Guarkernmehl
  • Hirse
  • Johannisbrotkernmehl
  • Quinoa
  • Tapioka
  • Teff
  • Wildreis

Getreide kann den Hund unterstützen

Hunde beziehen ihre Energie primär aus Fetten und teilweise auch aus Eiweißen. Getreide besteht in erster Linie aus Kohlenhydraten, in denen insbesondere Zuckermoleküle vorhanden sind. Diese Zuckermoleküle sind der Treibstoff für das Gehirn und die Muskeln. Kohlenhydrate sind somit wichtige Energielieferanten.

Getreide kann beim Barfen in gewissen Situationen auch vorteilhaft sein
Hans / Pixabay, creative commons public domain

Sie sind von Vorteil, wenn Hunde sich viel bewegen und einen großen Anteil physischer (und geistiger) Arbeit verrichten. Auch bei Hunden, die ihr Futter nur schlecht verwerten, kann Getreide eine sinnvolle Maßnahme sein.

Getreideanteil im Barf-Plan

Ob mit oder ohne (glutenhaltiges) Getreide gebarft wird, ist von der Gesundheit des Hundes bzw. der eigenen Überzeugung abhängig. Wer sich für einen Barf-Plan mit Getreide entscheidet, nutzt in der Regel mindestens 70% Fleisch (Muskelfleisch, Pansen, Innereien usw.), etwa 12% Getreide und ca. 18% pflanzliche Anteile (Gemüse, Obst und Salat). Hundebesitzer, die Getreide ganz vermeiden möchten, mischen zumeist etwa 80% Fleisch mit 20% pflanzlichen Anteil.

Beide Parteien können jedoch zusätzlich Kräuter in den Speiseplan aufnehmen und sollten auf die Nutzung von Fetten bzw. nativen Ölen achten (wie Hanföl, Leinöl, Kokosöl etc.).

Getreide beim Barfen ist kein Tabu

Die Entscheidung, ob bei gesunden Hunden mit oder ohne Getreide gebarft wird, sollte in keiner Glaubenskrise enden. Barfende Hundebesitzer machen sich in der Regel sehr viele Gedanken über die Ernährung ihrer Fellnasen und sollten sich dabei durchaus vom eigenen Gefühl leiten lassen. Insgesamt ist darauf zu achten, dass der Hund allgemein mit den wichtigsten Nährstoffen versorgt wird. Ist der Hund agil, hat Idealgewicht, ein glänzendes Fell und wirkt zufrieden, ist dies das beste Ziel, was Hundebesitzer sich wünschen können.

Quelle Titelbild: creative1564 / Pixabay, creative commons public domain